München, Heilig Geist/S. Spirito, 1485.08.05
Ain newe ordenung dem spital des heylligen Geists hie ze Munichen durch Balthazarn Riedler, Ludwigen Pötschner vnd Hannsen Ligsaltz, von innerm rate darczu verordnet, mitsambt den hochmaistern Thoma Rudolff vnd Georgen Riedler gemacht vnd furgenommen anno domini MCCCCLXXXV.
[1] Item ain yeder maister zu spitall sol verpflichtet sein zu aller nottorfft des spitals vleissiglich ze schawen, besonnder dahinden im hoff zu den pfründnern vnd pfründnerin, das ainem yeden, souil im in seinem standt gepürt, gegeben werde.
[2] Item er soll auch ob den fürknechten vnd ehälten sein, das di ordennlich vnd mit vleis arbeiten, in besunnder di knecht anschicken zu arbeiten vnd ze pawen hie bey der stat, zu Senntling vnd Hesselloe, auch an anndern ennden dem spital zugehörig, das dem allenthalben zu yeder zeit vleissig vnd ordennlich nachganngen vnd gewartet werde, als darczu gehört.
[3] Item er soll auch allewegen nach redlichen vnd trewn ehalten, knechten vnd mayden, die dem spitall nücz vnd tüglich sein, schawen, duch das denselben ehalten der lon pessert und geben werde, das ain yedlichs in seinem stannd verdienen mag.
[4] Item er sol auch zu zeiten hieuorn in der siechstuben bey den armen vmbsehen, wie denselben vnd ainem yeden durch die maisterin, kellnerin, wachterin vnd annder gewartet vnd pflegen werde; vnnd was er daselbs vnter den armen prechens findet, soll er darob sein, das es gewenndet werde.
[5] Item auch soll er von den, die des spitals hewser oder guter stifften, weder miet noch gab nemen annders dann von ainem yeden zwelff pfennig, inmassen von alter herkomen ist.
[6] Item er soll auch zu allen des spitals gütern reyten vnd schawen, so offt das not tüt, das die zu dorff vnd zu velde wesennlich vnd pewlich gehalten, nicht gemindert vnd dauon nichtzit entzogen werde.
[7] Vnd soll auch von den armeleuten auf dem lannde alle güllt, desgleichs in der stat all zinnss vnd ewigengelt, wie im von den hohmaistern beuolhen wirdet, trewlich vnd vleissiglich einpringen. Was er dann an solchen zinnssen eingenomen hat, sol er allewegen des nachsten sonntags darnach den hohmaistern an di zallung bringen vnd antwurten.
[8] Item auch soll albegen ain yeder maister jarlichen zu rechter zeit einkauffen preyn vnd annder des spitals nottorfft, als im auch von den hohmaistern beuelhen wirdet vnd von alter herkomen ist. Vnd er vnd sein hausfraw sullen auch solchs vnd alles annder, das ine von des spitals wegen empfolhen ist oder wirdet, trewlich vnd mit vleis verwaren, das das zu dem pesten nücz des spitals gepraucht werde.
Der maisterin in der syechstuben ordenung.
[9] Item ain yede maisterin soll verpflichtet sein, ob vnd bei den armen in der syechstuben zu sein vnd aufzesehen, das den armen in gemain vnd in besonnder durch di kellnerin, wachterin vnd diern gewartet vnd pflegen werde, als ir nottorft ist.
[10] Item sy soll auch zuuoran sein allewegen bei dem anrichten vnd aufsehen, das alles essen den armen wol vnd vleissig kochet vnd das ainem yeden armen geben vnd angerichtet werde, souil im gepurt vnd nottorftig ist. Vnd ob sy sehe oder merckte, das aines oder mer armen der gewönlichen pfründe nit niessen möchte, das sie dann dem oder denselben ain müssell, süppel oder annders nach gelegenliait seiner krannckhait vnnd persone an getrannck vnd speis geben vnd machen lassen süll von dem gellt, das ir von den hohmaistern darczu geben wirdet.
[11] Item sy soll auch darob sein, das den armen kranncken in tods nöten durch di kellnerin, wachterin vnd diern bey tag vnd nacht mit pesserm vleis dann vor beschehen gewartet vnd pflegen werde, als ir nottorfft ist.
[12] Item wenn auch di armen bad haben, soll sie darob sein, das denselben armen mit tragen, heben, legen vnd annder nottorfft gepflogen, das auch den armen der wein darczu gestifftet im bad vnd darnach geben vnnd geraichet werde.
[13] Item sy soll auch zuuoran in der kindstuben sein vnd daselbs auch aufsehen vnd ob den kinden sein, das der durch di diern ordennlich gewarttet werde, das auch di narren vnd die das vallennd haben meht vntcr den kinden, sonndern in der rauch oder grossern stuben seim vnd pleiben sullen.
Der kellnerinn ordenung.
[14] Item die kellnerin soll allewegen den armen ir speys selbs anrichten; vnnd ob sy an ainem oder mer kranncken sehe oder erkännte, das sie der täglichen speis nit niessen möchten, das sie dann den oder dieselben mit annder speis nach gestalt sei-nes wesens vnd krannckhait, es sey von eyern, weinsüppell oder müssell, versehen vnd des ir kainem widder sein sull.
[15] Item auch soll sy alle nacht in der siechstuben liegen vnd ob den wachterinn sein, das den armen, die in selbs nit helffen mögen, mit vmbkeren, heben, legen vnd annder nottorfft vnnd vorauss mit labung trancks vnd speis nach gestalt aines yeden krannckhait vlcissig vnd williglich gewarttet vnd pflegen werde.
[16] Item es sullen auch weder maisterin, kellnerin, wachterin, diern vnnd annder ehalten den armen durfftigen hinfur kain smähe noch scheltwort nicht geben noch mittaillen, doch mögen sie dannoch die nottorfft beschaidennlich vnd glimpflich mit ainem, das widersässig were oder sein wolt, wol reden, damit di in williger gehorsam pleiben.
Ordnung fur die armen.
[17] Item die pfrundnerin zu spital sullen nu hinfur allewegen ir aygene stätte dyern haben, die soll auch von in auff das ga?e nicht geschickt werden.
[18] Item die armen dürfftigen sullen furohin den brottragerin kain gelt geben.
[19] Item es sollen auch die armen zu spital nu furan weder laszgelt noch schererlon nicht geben noch zallen, sonndern solch gelt soll dem bader vnd scherer allewegen von den hohmaistern zalt werden.
[20] Item alle ehalten dahinden im spitalhofe sullen nicht mer bey den armen baden, sonndern zu viertzehen tagen in das recht spitalbad geen vnd soll ir yedes ainen pfennig zu badgelt geben. Das vberig sullen di hohmaister für sy zallen.
[21] Item als bisher ain yedes arm mensch den ehalten in der syechstuben hat müssen quattembergelt geben, das soll hinf'ur nicht mer beschehen vnd sullen di armen kainer dyern nichtzit schuldig sein ze geben, sondernn dasselbig gelt sol den ehalten durch di hohmaister zalt werden, wo anders solchs ine mit der merung des lones nit vergleicht wirdet.
[22] Item es soll auch der armen gewandt, so zu spital mit tode vergeen, nit alles verkaufft, sonnder damit annder armen, di des am nottorfftigisten sind, ir gewandt pessert werden. Also vnd desgleichen sol es auch mit der gestorben pettgewanndt gehalten werden.
[23] Item wo auch vnter den armen aines oder mer solche claider oder pettgewandt ze kauffen begerten, soll in das vor anndern albegen in gleichem gellt geben vnd gelassen werden.
[24] Item den ehalten zu spitall, besonnder den, die da allenthalben in des spitals nottorft oder bei den durfftigen vleissig, trew vnd gewärtig waren, soll hinfur der lone gepessert werden.
[25] Item es soll auch nu füran den armen dürfftigen im spitall alle freytag durch das ganntz jar zway mal geben werden, es gefiel dann an ainem freytag ain besonnder vastag, so soll man an demselben freytag nur ain mal geben vnd drew essen, wenn sie vasten, doch sol ir kaines zu vasten gemussiget werden.
[26] Item in der vasten sol man den armen die wochen drei tag zwai mal vnd die anndern drey tag nur ain mal vnd daran drew essen geben, doch den, di so gar krannck wären vnd nit vasten mochten oder wolten, sol man abends vnd morgens speis vnd trannck geben, wie vor stet.
[27] Item so die hohmaister yemands, das ins spitall genomen wirdet, in di siechstuben schaffen, vnd zu derselben zeit kain ler pett verhannden wäre, dasselbig arm soll liegen bei dem offen solanng, bis ain pett ledig wirdt. Vnd welchs dann das erst in di siechstuben geschafft ist, soll von stat an in das erst mussig pett gelegt vnd von kainem darumb gelt genomen werden, doch das albegen die mann in manns pett vnd di frawen in frawen pett gelegt werden, als von alter herkomen ist.
[28] Item es sollen auch der armen pett lennger dann di ytzo sind gemacht werden.
[29] Item als bisher ain yedes arm mensch zu spital von sein selbs gelt oder gut dem pfarrer vmb di heylligkait hat müssen geben XII den., das sol hinfür ab sein vnd solch gelt durch di hohmaister zalt werden.
[30] Item vff das nu diess vorgeschrieben ordenung vnueränndert, stette vnd vest pleibe vnd gehalten werde, hat inner vnd ausser rate hie ze Münichen Eberharten Pogner, dertzeit des aussern rats, erpetten vnd verordnet, dermassen das er vntter tags, wann vnd wir offt in verlust vnd nottorfftig sein bedunckt, in bemeltem spital hindten im hofe vnd hie vorn in der syechstuben, auch sonst allennthalben vntter den armen vmbsehen vnnd aufmercken soll, ob durch den maister, maisterin, kellnerin, wachterin, dyern vnd annder ehalten yedlichs in seinem standt dieser ordenung gemäss gehanndelt vnd ainem yeden geben vnd pflegen werde, inmassen vorgeschrieben stet vnd sein nottorfft ist. Vnd so offt er solchs an ainem oder mer nit gehalten findet, auch was er sonst ausserhalb dieser ordenung mangels oder brechenns erfaren, sehen oder mercken wurde, soll er macht haben, dieselben brechen mit wissen der hohmaister schaffen ze änndern, oder er mag solichs an di hohmaister bringen, die sollen dann. darob sein vnnd ernnstlich schaffen, das solchs alles furkomen vnd gewenndet werde. Des sich also Eberhard Pogner ainem rate zu gefallen an begerung ainichs soldes, sonndern vmb gotteswillen ze thun vntterstannden hat. Actum an freytag sannt Oswalds tag, anno domini LXXXV.



